Aus unheilvollen Tagen

23. Fortsetzung, „Freiwillige Feuerwehren“

Autor: Dr. Günther Wüst

Die Freiwillige Feuerwehr Wiesenbach ließ sich zu keiner Zeit in die Nähe nationalsozialistischer Organisationen rücken oder in die Propaganda der Nationalsozialisten einspannen, auch nicht in ihrer Gründungsphase am Ende der dreißiger Jahre. Und doch entstand sie 1938 in ihrer Formation als „Freiwillige Feuerwehr“ nach dem Willen der Reichsleitung, die schon lange mehr oder weniger offen ihre Kriegsvorbereitungen traf und für schlagkräftige Feuerwehren Sorge trug.

Bislang war die Wiesenbacher Feuerwehr nach dem alten Muster der Bürgerfeuerwehr aufgebaut, die in ihren Rotten nur Männer erfasste, die das besondere Bürgerrecht besaßen. Das sollte sich ändern. Im Oktober 1937 erteilte das badische Innenministerium Karlsruhe dem „Landesfeuerwehrführer“ die Weisung, dafür Sorge zu tragen, dass in allen Dörfern des Landes, die mehr als 500 Einwohner zählten, tüchtige Feuerwehren entstünden. Diese Direktive wurde an die Landräte weitergereicht und schließlich war es Aufgabe der Bürgermeister in den Gemeinden, die Weisung konkret umzusetzen.

Es gab damals acht Gemeinden im Landkreis Heidelberg, die noch keine „freiwillige“ Feuerwehr hatten. In allen verzeichnete der Landesfeuerwehrführer letztlich sichtbare Erfolge. Die Gemeinde Waldwimmersbach gründete ihre Wehr schon 1937, Dilsberg, Malschenberg, Mönchzell, Mückenloch und Wiesenbach kamen 1938 zum vorgeschriebenen Ziel, andere Gemeinden wie Heiligkreuzsteinach schafften es erst nach Kriegsbeginn.

Als Gründungsdatum der Freiwilligen Feuerwehr Wiesenbach darf der 26. April 1938 gelten. Wie die Gemeinderatsprotokolle erkennen lassen, hatte die Gemeinde anfangs 24 Mann einzukleiden, aber sie verfügte schon nach wenigen Wochen über 36 Aktive. Da nach Kriegsbeginn viele ins Feld zogen, war die Wehr schon 1941 mit nur 5 Mann nicht mehr funktionsfähig. So wurde aus der „freiwilligen“ eine „Pflichtfeuerwehr“, die auf eine Stärke von 40 Mann gebracht wurde. 1944 zählte sie gar 56 Aktive, wie die damaligen Erhebungen des Landratsamts Heidelberg ausweisen (heute im GLA Karlsruhe).

Abschrift: Einladung zur Gründung

Briefkopf zur Gründung

23. April 1938

An den
Herrn Bürgermeister der Gemeinde

W i e s e n b a c h

Unter Bezugnahme auf die von Ihnen mit meinem Sohn gehabte Rücksprache betreffs Gründung einer freiw. Feuerwehr in Ihrer Gemeinde, ersuche ich Sie hiermit am Dienstag den 26. d. M. Ihre gesamte Löschmannschaft zu einem Appell antreten zu lassen.

Ich werde um 19 Uhr mit Mitgliedern meines Stabes nach Wiesenbach kommen, um die Gründung der freiw. Feuerwehr Wiesenbach zu vollziehen.

Ich ersuche Sie gleichzeitig einige tüchtige angesehene Männer mir dann zu benennen, die ich mit der Führung der Wehr beauftragen kann.

[…]

Unterschrift des Kresiwehrführers