Geschichte

Chronik der FeuerwehrKommandanten

Seit der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Wiesenbach am 26. April 1938 bis 1948 gibt es keine schriftlichen Aufzeichnungen mehr. Von noch lebenden Zeugen der Zeit weiss man aber, dass bei Kriegsanfang viele junge Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr zum Kriegsanfang eingezogen wurden. Dadurch sank die Mannschaftsstärke der Wehr stark, so dass Jugendliche ab 16 Jahren zum Feuerwehrdienst verpflichtet werden mussten. Ungefähr 1944 wurde eine Tragkraftspritze TS 8 mit Anhänger angeschafft, die der Feuerwehr und dem Luftschutz diente. Gegen Ende des Krieges gab es etliche kleinere und mittlere Brände durch Bomberbeschuss.

Im Jahr 1947 wurde dann damit begonnen die Freiwillige Feuerwehr Wiesenbach neu zu organisieren, indem man noch verbliebene altgediente Feuerwehrkameraden neu motivierte, und versuchte Neue hinzuzugewinnen. Zum Kommandanten wurde Jakob Grimm gewählt, sein Stellvertreter wurde Johann Ebinger. Daraufhin hatte die Freiwillige Feuerwehr Wiesenbach am 20. November 1948 (erste schriftliche Aufzeichnung) eine Mannschaftsstärke von 72 Mann. Ab diesem Zeitpunkt wurden regelmässige Übungen organisiert (einmal im Monat). Eine dieser Übungen wurde als Jahreshauptübung ausgestaltet.

Natürlich kamen auch in dieser Zeit die Kameradschaftsabende und Ausmärsche nicht zu kurz. Es wurde auch jährlich eine Generalversammlung abgehalten. Schon damals wurden Kameraden zu diversen Lehrgängen an die Landesfeuerwehrschule nach Bruchsal geschickt.

Die 1944 angeschaffte Tragkraftspritze TS 8, versagte im Laufe der Jahre immer öfter ihren Dienst, so dass 1957 eine Neue angeschafft werden musste. (Sie ist heute noch in Reserve und Einsatzbereit) Am 30 April 1960 verstarb unser damaliger Kommandant Jakob Grimm. Bereits am 1.Juli wählten die Kameraden Heinz Jarosch zum Kommandanten. Im Jahre 1964 wurde für die Freiwillige Feuerwehr ein Tragkraftspritzenfahrzeug vom Typ Ford FK 1000 angeschafft, worüber es allerdings keine schriftlichen Aufzeichnungen gibt.

Bei der Generalversammlung 1965 konnten Leo Schneider und Gerhard Rung für 25- jährige Zugehörigkeit zur Freiwilligen Feuerwehr Wiesenbach geehrt werden. Johann Ebinger wurde für 40- jährige Feuerwehrtätigkeit ausgezeichnet, Ebenso wurde verzeichnet, dass der Mannschaftsstand nur noch 30 Mann war, wohl ein Zeichen für zunehmenden Wohlstand und Gleichgültigkeit der Allgemeinheit gegenüber. Am 13. November 1965 konnte dann endlich ein eigenes Feuerwehrgerätehaus beim Rathaus bezogen werden, da der bisherige Zustand, dass die Gerätschaften privat untergebracht waren, untragbar geworden war.

Am 24. März 1966 wurde Gustav Ebinger zum stellvertretenden Kommandanten gewählt und auf dem Kreisfeuerwehrtag in Eberbach wurde er mit dem Feuerwehrehrenzeichen in Silber ausgezeichnet. 1969 richtete die Gemeinde Wiesenbach den Kreisfeuerwehrtag aus. Am 16. Juni 1971 erfolgte die Wahl Gustav Ebingers zum Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Wiesenbach; sein Stellvertreter wurde Gerhard Grimm. Gustav Ebinger versuchte damals schon eine Art Jugendfeuerwehr aufzubauen um genügend geeigneten Nachwuchs für die aktive Wehr zu schaffen. Aus dieser Jugendarbeit sind viele tüchtige aktive Feuerwehrkameraden hervorgegangen. Am 29. September 1973 errang eine Gruppe der Wehr das erste Leistungsabzeichen in Bronze. Heute hat ein Grossteil der Kameraden bereits das Goldene, alle haben jedoch mindestens das Silberne.

Bei der Generalversammlung am 15.Mai 1976 wurde Manfred Lindheimer zum stellvertretenden Kommandanten gewählt. Am 29. April 1978 konnte endlich das neue, heutige Feuerwehrgerätehaus der Wehr übergeben werden. Endlich war Platz genug für 2 Fahrzeuge, sowie Räumlichkeiten für die Mannschaft. Da das neue Gerätehaus direkt am Rathausplatz steht und grosszügig Platz bietet, wird seit 1978 jedes Jahr am ersten Wochenende im September von der Feuerwehr die Kerwewirtschaft übernommen. Ein Jahr später (21. Juli 1979) konnte auch das neue Löschfahrzeug LF 8 von der Wehr übernommen werden.

So war man also Ende der siebziger Jahre endlich räumlich und maschinell auf soliden Boden gestellt. Ebenso wurde mit dem LF 8 die längst nötige Anschaffung von Atemschutzgeräten verwirklicht. Durch den Eigenbau eines Schlauchanhängers vervollständigte die Wehr ihren Fuhrpark. Ende 1980 wurde im Gerätehaus eine Funkanlage installiert und die Alarmierung von der Sirene auf Funkmeldeempfänger umgestellt.

Bei der Generalversammlung am 21.März 1981 wurden dann unser heutiger Kommandant Manfred Lindheimer und sein Stellvertreter Peter Schmitt in ihr Amt gewählt, während Gustav Ebinger als aktiver Kommandant abtrat und zum Ehrenkommandant ernannt wurde.

Beim alljährlichen Rollbratenessen ergriff Peter Schmitt erstmals im Sommer 1980 die Initiative, mit Jugendlichen von Feuerwehrangehörigen spielerisch mit feuerwehrtechnischen Geräten umzugehen. Unter seiner Anleitung verliefen 3 Jahre ungezwungene interessante Feuerwehrausbildung. Daraufhin beschloss der Feuerwehrausschuss am 29.November 1983 die Gründung der Jugendfeuerwehr Wiesenbach. Als erster Jugendfeuerwehrwart wurde Peter Schmitt berufen mit den Jugendfeuerwehrleitern Markus Nauß und Hubert Habel.

Mit der Übergabe des gebraucht erworbenen TLF 8 auf Unimogfahrgestell aus Katastrophenschutzbeständen am 7. Oktober 1984 war dann die räumliche Kapazität des Gerätehauses voll erschöpft, jedoch die Wehr auch für fast alle Ernstfälle gut gerüstet.

Autor: Dr. Günther Wüst


Aus unheilvollen Tagen

23. Fortsetzung, „Freiwillige Feuerwehren“

Autor: Dr. Günther Wüst

Die Freiwillige Feuerwehr Wiesenbach ließ sich zu keiner Zeit in die Nähe nationalsozialistischer Organisationen rücken oder in die Propaganda der Nationalsozialisten einspannen, auch nicht in ihrer Gründungsphase am Ende der dreißiger Jahre. Und doch entstand sie 1938 in ihrer Formation als „Freiwillige Feuerwehr“ nach dem Willen der Reichsleitung, die schon lange mehr oder weniger offen ihre Kriegsvorbereitungen traf und für schlagkräftige Feuerwehren Sorge trug.

Bislang war die Wiesenbacher Feuerwehr nach dem alten Muster der Bürgerfeuerwehr aufgebaut, die in ihren Rotten nur Männer erfasste, die das besondere Bürgerrecht besaßen. Das sollte sich ändern. Im Oktober 1937 erteilte das badische Innenministerium Karlsruhe dem „Landesfeuerwehrführer“ die Weisung, dafür Sorge zu tragen, dass in allen Dörfern des Landes, die mehr als 500 Einwohner zählten, tüchtige Feuerwehren entstünden. Diese Direktive wurde an die Landräte weitergereicht und schließlich war es Aufgabe der Bürgermeister in den Gemeinden, die Weisung konkret umzusetzen.

Es gab damals acht Gemeinden im Landkreis Heidelberg, die noch keine „freiwillige“ Feuerwehr hatten. In allen verzeichnete der Landesfeuerwehrführer letztlich sichtbare Erfolge. Die Gemeinde Waldwimmersbach gründete ihre Wehr schon 1937, Dilsberg, Malschenberg, Mönchzell, Mückenloch und Wiesenbach kamen 1938 zum vorgeschriebenen Ziel, andere Gemeinden wie Heiligkreuzsteinach schafften es erst nach Kriegsbeginn.

Als Gründungsdatum der Freiwilligen Feuerwehr Wiesenbach darf der 26. April 1938 gelten. Wie die Gemeinderatsprotokolle erkennen lassen, hatte die Gemeinde anfangs 24 Mann einzukleiden, aber sie verfügte schon nach wenigen Wochen über 36 Aktive. Da nach Kriegsbeginn viele ins Feld zogen, war die Wehr schon 1941 mit nur 5 Mann nicht mehr funktionsfähig. So wurde aus der „freiwilligen“ eine „Pflichtfeuerwehr“, die auf eine Stärke von 40 Mann gebracht wurde. 1944 zählte sie gar 56 Aktive, wie die damaligen Erhebungen des Landratsamts Heidelberg ausweisen (heute im GLA Karlsruhe).

Abschrift: Einladung zur Gründung

23. April 1938

An denBriefkopf zur Gründung
Herrn Bürgermeister der Gemeinde

W i e s e n b a c h

 

Unter Bezugnahme auf die von Ihnen mit meinem Sohn gehabte Rücksprache betreffs Gründung einer freiw. Feuerwehr in Ihrer Gemeinde, ersuche ich Sie hiermit am Dienstag den 26. d. M. Ihre gesamte Löschmannschaft zu einem Appell antreten zu lassen.

Ich werde um 19 Uhr mit Mitgliedern meines Stabes nach Wiesenbach kommen, um die Gründung der freiw. Feuerwehr Wiesenbach zu vollziehen.Unterschrift des Kresiwehrführers

Ich ersuche Sie gleichzeitig einige tüchtige angesehene Männer mir dann zu benennen, die ich mit der Führung der Wehr beauftragen kann.