Feuerwehrdienst

Wissenswertes um die Feuerwehr

„Es entspricht der Lebenserfahrung, daß mit der Entstehung eines Brandes praktisch jeder Zeit gerechnet werden muß. Der Umstand, daß in vielen Gebäuden jahrzehntelang kein Brand ausbricht, beweist nicht, daß keine Gefahr besteht, sondern stellt für die Betroffenen einen Glücksfall dar, mit dessen Ende jederzeit gerechnet werden muß.“

Quelle: Oberverwaltungsgericht Münster / 10 A 363/86 vom 01.12.1987

Was bedeutet FREIWILLIG?

Alle Angehörigen sind ehrenamtlich tätig.

  • Jeder geht täglich einem Beruf nach, d.h. keiner ist von Beruf „Feuerwehrmann“.
  • Das Feuerwehrhaus ist nicht ständig besetzt. Wenn sie die 112 anrufen, kommt ihr Anruf zur integrierten Leitstelle in Ladenburg. Die alarmiert dann ihre Feuerwehr.

Wir sind 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr für sie im Einsatz, d.h. wenn der Pager ruft:

  • verlassen wir den Arbeitsplatz
  • springen wir nachts aus dem Bett
  • verlassen wir das Fitnessstudio
  • lassen wir die Familie alleine am Tisch sitzen
  • lassen wir den Partner beim Einkaufen stehen
  • müssen wir Ausflüge mit der Familie absagen
  • können wir Termine nicht einhalten
  • …und so weiter!

Alles für ihre Sicherheit!

  • Wenn sie nachts im Bett liegen, stehen wir vielleicht auf der Autobahn um Menschen zu helfen. Am Morgen gehen wir ins Geschäft, egal ob wir nachts geschlafen haben oder nicht.
  • Wir bekommen Probleme mit dem Arbeitgeber,weil wir den Arbeitsplatz verlassen um anderen Menschen zu helfen.
  • Wir opfern unsere Freizeit nicht nur im Einsatz, sondern auch für die Ausbildung.

Was passiert wenn ich die Feuerwehr rufe?

Es brennt – Sie alarmieren die Feuerwehr!
…und was passiert jetzt?

  • Die Leitstelle Rhein – Neckar nimmt ihren Anruf entgegen.
  • Die Leitstelle alarmiert die Feuerwehrangehörigen über ihren Pager
  • Der Pager piepst
  • Der Feuerwehrmann/-frau verlässt den Arbeitsplatz, das Bett oder Sonstiges…
  • …mit dem Ziel so schnell wie möglich ins Feuerwehrhaus zu kommen.
  • Dort zieht er/sie sich um und besetzt die Feuerwehrfahrzeuge
  • Wenn das Fahrzeug voll besetzt ist rückt es aus…
  • …und ist kurz darauf bei ihnen.

Blaulicht und Martinshorn müssen sein

Stellen Sie sich vor:

Sie wohnen beim Feuerwehrhaus oder an der Hauptstraße. Nachts um 3 Uhr fährt mit tatü-tata und Riesenkrach die Feuerwehr an ihrem Haus vorbei.
Sie werden wach! Was denken Sie?

  • Hoffentlich können die Feuerwehrleute noch rechtzeitig helfen, oder
  • die werden doch nicht zu uns kommen, oder
  • sind alle unsere Kinder zu Hause, oder
  • müssen die so einen Krach machen und mich in meiner wohlverdienten Nachtruhe stören?

Wird die Feuerwehr alarmiert, zählt jede Sekunde. Minuten entscheiden oftmals über Leben und Tod, über kleines Feuer oder Großbrand mit riesigem Sachschaden. Darum muss die Feuerwehr im Schadensfall möglichst rasch an der Einsatzstelle sein.

Und dabei helfen ihr die Sonderrechte nach § 38 Straßenverkehrsordnung. Diese können aber nur in Anspruch genommen werden mit Blaulicht und Martinshorn. Es ordnet an: „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen.“ Das Blaulicht allein ist hierfür unzulässig.

Stellen Sie sich vor, dass diese „krachmachenden“ Feuerwehrleute

  • vor fünf Minuten noch selbst in ihren Betten waren – wie Sie,
  • um 6 Uhr wieder zur Arbeit müssen – wie Sie
  • die nächsten zwei oder drei Stunden nicht mehr schlafen werden (was oftmals auch für die Familien gilt)

Ihre Feuerwehr – Tag und Nacht für sie einsatzbereit – dankt Ihnen für Ihr Verständnis!

Militärische Begriffe bei der Feuerwehr

Die Terminologie die in der Feuerwehr benutzt wird ist in der Tat aus dem militärischen Führungssystem abgeleitet worden und verwendet deshalb durchaus in großen Teilen Begriffe, die auch militärisch genutzt werden. (Beispielsweise wird ein Feuer „bekämpft“, wir machen uns zum „Abmarsch fertig“, „dringen in Gebäude ein“ und tragen dabei „schweren Atemschutz“ als „Angriffstrupp“)

Diese Begriffe haben jedoch weniger mit sinnlosem Agressionspotential als vielmehr damit zu tun, daß sie im gesamten deutschsprachigen Feuerwehrwesen einheitlich definiert sind. Darüber hinaus ermöglichen sie es, notwendige Aufträge mit einem Minimum an Zeitaufwand zu erteilen, die dann durch die festgelegten Begriffsinhalte klar umrissen sind. Natürlich könnte man dies ändern, man erwiese damit der vom Schaden betroffenen Bevölkerung allerdings einen Bärendienst: Das verwendete militärische Kommandosystem einschließlich seiner von außen vieleicht merkwürdig anmutenden Begriffe ist nämlich die Erfahrung aus vielen hundert Jahren Menschenführung in Extremsituationen. Unter Stress (der für Feuerwehrleute ganz außerordentlich wird, sobald Menschen in Gefahr sind) ist das menschliche Gehirn einfach in seiner Leistung eingeschränkt, es kann nicht so viele Rechenvorgänge vornehmen wie in entspanntem Zustand. Das militärische Kommandosystem trägt diesem Umstand durch festgelegte Befehlsformen, Befehswiederholung und geraffte Darstellung der wesentlichen Informationen Rechnung und ermöglicht so erst die schnelle, präzise Arbeit der Feuerwehr auch zu Zeiten, zu denen andere Bürger lediglich ihren Nachtschlaf durchführen.

Das sich diese eintrainierten Formulierungen dann auch in der Berichterstattung widerspiegeln, ist nur natürlich- denn viele, viele neben Beruf und Familienleben geleistete Trainings- und Einsatzstunden lassen wenig Zeit für Schilderungen epischer Breite. Wenn nun trotzdem noch Bedenken gegen unsere traditionelle und bewährte Wortwahl bestehen: Am besten mal bei nächster Gelegenheit eine Feuerwehrübung anschauen ! Die Vielzahl in kurzer Zeit zu verrichtender Tätigkeiten bei denen wirklich an keiner Stelle unnötige Zeit verschwendet wird um so schnell wie möglich Hilfe zu leisten wird sicher ohne weitere Erklärungen für sich sprechen.


Herzlichen Dank an den Autor: Josef Mäschle